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Ein Auszug aus dem Episodenroman "Hagemanns Welt"

Traumferien

Ein Auszug aus dem Episodenroman "Hagemanns Welt"

Traumferien

„Warum verstehst du das nicht?“, fragte meine Frau Elsa, als sie und unsere Kinder über einen Witz lachten, dessen Humor mir völlig verschlossen blieb. "Keine Ahnung." Ich zuckte mit den Schultern, denn ich hatte schon oft vergeblich darüber nachgedacht. Erst kürzlich, als unser Nachbar Valentin in einer ballonseidene Trainingshose bei uns erschien, verständigten sie sich blitzschnell über sein modisches Versagen, während es mir erst umständlich erklärt werden musste. Die Kommunikation zwischen meiner Frau und unseren Töchtern funktioniert nach Mustern, die mir weitgehend fremd sind, gelegentlich beschleicht mich deshalb sogar ein Gefühl der Einsamkeit. 


Neulich sprachen wir über unser sommerliches Urlaubsziel. Ich schätze die Berge und lange Wanderungen, sie lieben das Meer, genauer gesagt den Strand und stundenlanges Sonnenbaden. „Niemals wird es euch gelingen mich noch einmal zu einem Urlaub an der Nordsee zu überreden“, donnerte ich mit Pathos am Mittagstisch. „Der Sand, das kühle Wetter, der Wind, das Salzwasser, all das ist eine Qual für vernünftige Menschen. Wie herrlich sind dagegen majestätische Berggipfel, sie öffnen einem das Herz, nichts geht über klares Quellwasser und satte, grüne Almen. Wir werden dort die Ferien verbringen!“ Wir beschlossen ans Meer zu fahren.


„Schön“, strahlte Elsa, „ich bin übrigens bereits zu deinem Besten tätig geworden und habe vorsorglich eine Ferienunterkunft auf der niederländischen Insel Ameland gebucht.“ Sie war nicht zum ersten Mal vorsorglich zu meinem Besten tätig, deshalb empfand ich ein gewisses Unbehagen. Außerdem war mir aufgefallen, dass ich im Laufe familiärer Entscheidungsprozesse häufig gegen meinen Willen die Ansicht meiner Frau zu vertreten begann. Offenbar geschah etwas mit mir, worauf ich keinen Einfluss hatte. Vielleicht setzte Elsa mich heimlich unter Drogen, denn seit geraumer Zeit litt ich unter einem hässlichen Reizhusten. „Das Seeklima wird dir gut tun“, meinte sie, „du gehst jeden Tag mit den Kindern ans Meer, setzt dich mit dem Laptop ins Strandcafe und schreibst deinen Roman zu Ende.“ „Und was machst du?“, fragte ich. „Ich komme nach“, antwortete sie mit entwaffnendem Lächeln, „ich habe noch einiges in der Schule zu erledigen.“ „Wieso habe ich eine Schulleiterin geheiratet, wenn du doch keine Ferien hast?“, stöhnte ich.


„Damit dir finanziell jemand den Rücken freihält“, stellte meine Frau ungerührt fest. „Und vergiss bitte nicht, dass ich dir drei schöne Töchter geboren habe.“ Natürlich würde ich das nicht vergessen, aber unsere Töchter waren nicht nur schön, sondern inzwischen auch in der Pubertät. Greta, die jüngste, ist vierzehn, Emma fünfzehn und Dorle stolze sechzehn, mit anderen Worten, alle drei haben sich aus liebenswürdigen Kindern im Laufe der Zeit in Eltern fressende Aliens verwandelt. Mir ist völlig schleierhaft, was in ihren Gehirnen vorgeht, aber wäre Alzheimer nicht ein typisches Leiden alter Menschen, würde ich mir Sorgen machen. Im Vergleich zu meinen Töchtern bin ich ein wahrer Gedächtniskünstler. Sie schließen niemals die Zimmertüren, verlegen mindestens zwei Mal am Tag ihren Fahrradschlüssel oder vergessen zuhause regelmäßig ihr Schulfrühstück.